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Gerald A. Pachinger Zurück
„Nach dem Musikstudium wollte ich ursprünglich in meine Heimat zurückkehren und als Musikschullehrer den Musikerberuf mit der Landwirtschaft verbinden.“ Dass es anders gekommen ist, beweist Gerald Pachinger, Soloklarinettist der Wiener Symphoniker, beim Nationalfeiertagskonzert als Solist das Mozart-Klarinettenkonzerts. Im Interview spricht er über seine Herkunft aus der Blasmusik, das Gefühl, als 20-jähriger für die Soloklarinette engagiert zu werden, und seine beglückendsten Momente am Podium.

Nähert man sich der Biografie des aus Ampflwang stammenden Oberösterreichers Gerald Pachinger (Jahrgang 1967) mit einem klischeehaften Verweis auf seine Herkunft aus der Blasmusik, so versucht er erst gar nicht, irgendeine Besonderheit dieser Biografie gelten zu lassen. Pachinger, der als zweitältester Sohn als Erbe der elterlichen Landwirtschaft vorgesehen war, wurde in eine Musikerfamilie geboren und erhielt in der örtlichen Blasmusik, in der sein Vater Kapellmeister war, die Klarinette aus einer aktuellen Bedarfssituation zugeteilt – nicht ohne Schmunzeln merkt er an, dass es auch eine Tuba hätte sein können. Nach Abschluss der Pflichtschule wechselte er mit 14 Jahren in die dreijährige Landwirtschaftsschule nach Vöcklabruck, wo er als Internatsbewohner aus praktischen Gründen auch die lokale Musikschule besuchte. „Ich hatte das Glück, in Ernst Quirtmair einen Klarinettenlehrer zu haben, der selber in Wien studiert hatte und mir dadurch den Zugang zu Wien ermöglichen konnte. Er hat mein Talent und meinen Ehrgeiz richtig eingeschätzt und mich an die Wiener Musikuniversität zu Peter Schmidl verwiesen“, so Pachinger über diese für seinen weiteren Lebensweg wichtige Begegnung.

Nach Abschluss der Fachschule wechselte er mit 17 Jahren nach Wien und nahm 1984 sein Musikstudium auf. Schon während des Studiums merkte er durch seine Tätigkeit im Gustav Mahler Jugendorchester und verschiedene Probespiele, dass ein Orchesterengagement möglich sein könnte. „Die drei Jahre Studium hatten in mir den großen Wunsch reifen lassen, in einem großen Orchester engagiert zu werden. Die Probespiele mit ersten Gehversuchen bis zu sehr guten Erfolgen hatten mich zusätzlich motiviert.“

1987 erfüllte sich dieser Wunsch – im zarten Alter von 20 Jahren wurde er als Soloklarinettist der Wiener Symphoniker engagiert und spürt bis heute die Faszination, gemeinsam mit den Kollegen zu musizieren. „Für mich war es das Größte, gerade in diesem Orchester große Aufgaben erledigen zu können – ob das jetzt mein Probejahr während der Zeit von Georges Prêtre war oder ein bestimmtes Stück, bei dem die Klarinetten spannend eingesetzt sind.“ Besonders deutlich wird seine Begeisterung für die Orchestermusik, wenn es um Stellen und Stücke geht, in denen die Klarinette gar keine Rolle spielt. „Wenn wir eine Mahler-Symphonie spielen, ich am Podium sitze und eine Streicher-Stelle genießen kann, ohne selber zu spielen, dann hat sich für mich der große Aufwand gelohnt. Solche Situationen gehören zu den befriedigendsten meines Berufes.“ Natürlich gebe es in den 21 Jahren, die er jetzt Mitglied der Wiener Symphoniker ist, eine Entwicklung, aber die Grundmotivation ist noch immer dieselbe. „Am Anfang besteht die Herausforderung darin, sich musikalisch in den Bläsersatz einzufügen. Wenn man Erfahrung sammelt, erweitert sich der Gestaltungsspielraum – das ist wie bei einem Zug: Wo du früher mitgefahren bist, kannst du jetzt am Fahrplan mitarbeiten.“

Die Einschätzung von Höhepunkten fällt ihm als Orchestermusiker naturgemäß schwer. „Bei uns Orchestermusikern ist die persönliche Verfassung bei einem Konzert ungemein wichtig bei der Einschätzung, wie ein Konzert im Gesamten war. Im Grunde passieren Höhepunkte immer in jenen seltenen Momenten, wo die Zeit stehen bleibt, weil ein Dirigent das Orchester inspiriert und auch das Umgekehrte passiert – dass ein Orchester den Dirigenten und den Solisten inspiriert und daraus eine einmalige Symbiose entsteht.“ Auf die Frage nach den Besonderheiten „seines“ Orchesters antwortet Pachinger mit scheinbaren Selbstverständlichkeiten, die eben keine seien. „Natürlich sind es unsere unglaublich schönen Konzerte. Aber es ist auch die Freude, mit der man zum Beispiel aus der Sommerpause zurückkehrt und sich auf die Kollegen und auf die nächste Produktion mit diesem Kollektiv freut. Wir haben ein derart angenehmes Arbeitsklima, dass ich mich wirklich auf die nächste Probe freuen kann – das erlebt man nicht in jedem Orchester.“

Das Klischee von den ländlich geprägten Bläsern und den städtischen Streichern lässt Pachinger nicht gelten. „Natürlich haben sich in meinem Leben Musik und Menschenschlag geändert, aber in Wirklichkeit ist es doch so, dass die Musik gemeinsame Wurzeln hat. Wenn man sich die große Literatur ansieht, dann wird auch bei Mahler und Mozart schnell klar, dass die Volksmusik eine wichtige Rolle spielt. Die Wurzeln sind meistens nicht oben, sondern unten. Das merkt man nicht nur bei Mahler deutlich, sondern auch bei vielen anderen Komponisten. Für mich gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen diesen beiden Welten – ich habe die Blasmusik nicht hinter mir gelassen, sondern komme aus dieser.“

Eine besondere Perspektive erhält ein Konzert natürlich dann, wenn der Orchestermusiker als Solist vor seine Kolleginnen und Kollegen tritt. „Im Orchester bin ich Teil eines Verbandes und muss kollektiv musizieren – du gehst sozusagen mit der Gruppe. Als Solist gibt man den Ton an, und das Hauptaugenmerk ist auf den Solisten gerichtet. Die Herausforderung besteht auch darin, dass man als Orchestermusiker nicht 50 oder 100 Auftritte pro Jahr als Solist hat – auf der anderen Seite machen es die eigenen Kollegen wieder einfacher, weil man im eigenen Orchester eben zuhause ist.“ Die Gefahr, dass ein „Standardwerk“ wie das Mozart-Klarinettenkonzert zur Routine werden könnte, sieht Pachinger nicht. „Gerade bei diesem großartigen Werk gibt es keine Routine. In dem Moment, in dem ich zu musizieren beginne, entsteht jedes Mal etwas Neues. Natürlich ist der technische Ablauf vorgegeben, aber es passieren immer wieder ungeplante Dinge. Unter 100 Konzerten mit demselben Werk wird man keine finden, die identisch sind – auch wenn der Text jedes Mal der gleiche ist.“

Eine zusätzliche Perspektive bietet seit vielen die Tätigkeit als Musikpädagoge – zunächst am Konservatorium Eisenstadt, dann an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und seit 2004 die Professur an der Kunstuniversität Graz. „Neben der Weitergabe meiner Erfahrung aus dem Orchester, der Kammermusik und als Solist ist mir die Entwicklung einer eigenständigen Herangehensweise meiner Studenten das wichtigste Anliegen. Das Schlimmste, was in der Ausbildung passieren kann, ist das Bestreben eines Schülers, seinen Lehrer zu kopieren. Als Lehrer ist mir der Erfolg eines Schülers als eigenständige Persönlichkeit wichtig.“ Gerald Pachinger, der sein Studium formell noch immer nicht abgeschlossen hat, sieht darin keinen Widerspruch, sondern schließt das Gespräch mit einem Verweis auf sein frühes Engagement bei den Wiener Symphonikern. „Ich hatte das Glück, mit 20 Jahren das beste Instrument für die eigene Entwicklung zu bekommen, nämlich ein hervorragendes Orchester.“
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